7 bis 10 Milliarden Franken — für einen S-Bahn-Tunnel.

Die aktuelle Kostenschätzung für das abgespeckte «Herzstück» liegt bei 7 bis 10 Milliarden Franken für rund 6 km Tunnel. Zum Vergleich: Der gesamte Kantonshaushalt beträgt rund 5 Milliarden pro Jahr. Die Gesamtkosten für die NEAT (Gotthard, Lötschberg, Ceneri) sind 23,5 Milliarden. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der Bund die gesamten Erstellungskosten für das «Herzstück» tragen wird. Kommende Generationen erben Schulden sowie hohe
Betriebs- und Unterhaltskosten.

Durchfahrt statt Haltestellen — die Stadt geht leer aus.

Die aktuelle Variante der Durchmesserlinie sieht keine Haltestellen in der Innenstadt vor. Der S-Bahn-Tunnel verbindet lediglich den Badischen Bahnhof mit dem Bahnhof SBB unterirdisch, ohne Halt, aber mit Tiefbahnhof in Basel SBB. Die Zahl der Tramlinien durch die Innenstadt wird deshalb kaum kleiner werden. Basel-Stadt investiert Unsummen in ein Projekt, von dem es kaum profitiert (bisher 2014 20 Mio. und 2020 14.4 Mio., jetzt geplant 3,6 Mio. Franken).

Zeithorizont 2050? – Dornröschenschlaf fürs S-Bahn-Netz?

Der Bund hat das «Herzstück» in der Priorität zurückgestuft. Ein Baubeginn ist frühestens ab den 2050er-Jahren realistisch. Trotzdem will Basel-Stadt bereits jetzt nochmals 3,6 Millionen in die weitere Planung investieren — inklusive 850’000 Franken für Lobbying beim Bund. Das ist voreilig und unverantwortlich. Unser S-Bahn-System muss jetzt mit realisierbaren Lösungen aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden.

Schneller, günstiger, wirksamer — die Alternativen.

Statt Jahrzehnte zu warten, können wir mit einer Ring-S-Bahn die wichtigen
Wirtschaftsstandorte der Region besser erschliessen als mit dem Durchmessertunnel. Sie wäre günstiger und schneller zu bauen. Immerhin: Bis 2030 folgen Verbesserungen wie durchgehende S-Bahn bis Mülhausen, S-Bahn-Station Morgarten, Elektrifizierung der Hochrheinbahn. Kürzlich erfolgt sind der Ausbau Liestal mit Viertelstundentakt sowie der Doppelspurausbau im Birstal. Dazu kommen weitere teure ÖV-Wünsche wie Flughafenbahnanschluss, Tramnetzausbau, S-Bahn-Tunnel in Riehen.

Zu steil für alles – ausser S-Bahnen.

Die geplante Durchmesserlinie hat derart starke Steigungen, dass sie nur von S-Bahn-Zügen befahren werden kann. Fernverkehrs- oder Güterzüge können den Tunnel nicht nutzen. Fernzüge von und nach Deutschland müssen also weiterhin eine Spitzkehre zum Bahnhof SBB machen. Das schränkt den Nutzen des «Herzstücks» massiv ein und macht die Investition noch fragwürdiger.